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Die Metalli Zug hat mehr Respekt verdient!

Der Zuger Heimatschutz lehnt den Bebauungsplan Metalli ab. Dessen Umsetzung hätte zur Folge, dass ein wichtiger Zeitzeuge der Postmoderne zerstört würde und wertvolle Freiflächen im Stadtzentrum verschwinden müssten. Um dies zu verhindern, soll die Metalli auf die rote Liste der gefährdeten Gebäude gesetzt werden. Ein entsprechendes Verfahren beim Schweizerischen Heimatschutz läuft.

Die Ortsplanungsrevision ist in Zug zwar in vollem Gange und liegt noch bis 12. Dezember 2025 auf, aber eine öffentliche Debatte, wie sich unsere Stadt in Zukunft entwickeln soll und welchen Stellenwert wir identitätsstiftenden baukulturellen Zeugen zugestehen, findet nicht statt. Rasantes Bevölkerungswachstum, hohe Renditeerwartungen, der Ruf nach Verdichtung und das legitime Bedürfnis nach günstigem Wohnraum führen dazu, dass zentrale Grundsätze einer qualitätsvollen Städteplanung in den Hintergrund treten oder vollends ausgeblendet werden. 

Unter diesem Einfluss hat das Zuger Stadtparlament am 18. November 2025 den Bebauungsplan Metalli in zweiter Lesung durchgewinkt und den Weg für eine eklatante städtebauliche Fehlentwicklung an der Baarerstrasse geebnet. Vorgesehen ist unter anderem die Realisierung eines 80 Meter Hochhauses an einer städtebaulich fragwürdigen Stelle, der weitgehende Abriss des Metalli-Riegels an der Baarerstrasse, die Beseitigung von sinnvoll angeordneten Freiflächen und die Realisierung eines neuen Platzes an strategisch falschem Ort. Mit der Planung wird ein wichtiges Versprechen, das gegenüber der Bevölkerung gemacht wurde – nämlich die bessere Anbindung der Metalli an den Bahnhof – nicht eingelöst.  Hinzu kommt, dass das Bewilligungsverfahren äusserst fragwürdig aufgegleist war, keine wirklich unabhängige Jury im Einsatz war und der Bebauungsplan nie der Stadtbildkommission vorgelegt wurde. Dabei handelt es sich bei der Metalli mit einer Fläche von 76 000 m2 laut Fachkreisen nachweislich um einen der wichtigsten und grössten Zeitzeugen der Postmoderne in der Deutschschweiz. Realisiert wurde das ikonische Werk vom renommierten Zuger Büro Hafner + Wiederkehr + Partner. 
Das aktuelle Inventar der schützenswerten Denkmäler des Kantons Zug berücksichtigt nur Gebäude, die Jahrgang 1975 haben oder älter sind. Die Metalli wurde zwischen 1984 und 1990 gebaut. 

Der Vorstand des Bauforums Zug hat im Hinblick auf die zweite Lesung im Parlament mittels Stellungnahme bereits versucht, das Parlament auf die schwerwiegenden Mängel des Bebauungsplans hinzuweisen, drang bei den Volksvertretern jedoch nicht durch. Diese zogen es vor, am Rednerpult über Details bezüglich Wohnbaubestimmungen zu diskutieren. Der Zuger Heimatschutz, der seit Jahren Sensibilisierungs- und Öffentlichkeitsarbeit bezüglich des Umgangs mit Bestandsbauten leistet, sieht sich angesichts der nun politisch abgesegneten und somit fortgeschrittenen Fehlplanung gezwungen, sich ebenfalls in die Debatte einzuklinken.  

Rote Liste des Schweizer Heimatschutzes

Er hat diese Woche beantragt, die Metalli auf die rote Liste des Schweizer Heimatschutzes zu setzen. Ziel der 2003 lancierten Liste ist es, auf gefährdete Objekte von hohem baukulturellen Wert aufmerksam zu machen und diese im öffentlichen Interesse vor dem Abriss zu bewahren. Von den rund 170 aufgeführten Objekten konnten bislang 60 gerettet werden. 40 Gebäude wurden abgebrochen. Bei den restlichen 70 Gebäuden ist noch keine Entscheidung gefallen.

Die Qualitäten der Metalli sind aus Sicht des Zuger Heimatschutzes unbestritten: Ein dichtes Wegnetz für Fussgänger durchzieht die Anlage. Klug konzipierte Baustrukturen führen zu sinnvollen Erschliessungen. Ablesbare Hierarchien in der Dimensionierung der Tragelemente verleihen dem Gefüge Leichtigkeit und Eleganz. Überdeckte Passagen, offene Plätze mit Arkaden und die rhythmisierende Fassade ergeben ein stimmiges Ganzes. Als Charakteristika und Qualitätsmerkmal ist insbesondere die Freiflächenanordnung zu nennen. Anfang und Ende der Metalli-Hauptpassage parallel zur Baarerstrasse wurden seinerzeit als gestalterische Elemente bewusst freigelegt, sorgen für städtebaulich sinnvolle Bezüge zu den Nachbarsbauten und ermöglichen gut funktionierende Verkehrsströme, insbesondere für Fussgänger.

Im Jahre 2024 hat der Zuger Heimatschutz in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Heimatschutz und dem Design- und Architekturhistoriker Cyril Kennel zwei Führungen in der Metalli organisiert. Der damals zu seiner Planungszeit nicht unumstrittene Gebäudekomplex vereint gemäss Kennel auf diversen Ebenen Merkmale der Postmoderne wie ansonsten kaum ein Gebäude in der Deutschschweiz. In einem Beitrag der Architekturzeitschrift Hochparterre spricht Kennel gar von einem «prototypischen Werk» aus dieser Zeitepoche und kritisiert, dass mit dem aktuellen Bebauungsplan der identitätsstiftende Blockrand gesprengt und klug konzipierte Raumabfolgen eliminiert würden.

Der Zuger Heimatschutz stellt sich weder gegen Verdichtung noch sonstige Veränderung an der Baarerstrasse. Der aktuelle Bebauungsplan mag für Zug Estates AG als Investorin eine lukrative wirtschaftliche Perspektive bieten, städtebaulich jedoch lässt er jegliches Feingefühl missen. 

Der Zuger Heimatschutz begrüsst das Ergreifen des Referendums durch IG-Metalli.ch und hofft auf möglichst viel Unterstützung der Zuger Bevölkerung.

Die Metalli hat mehr Respekt verdient.

Kontakt

Paul Baumgartner
Co-Präsident Zuger Heimatschutz, Tel. Nr. 077 523 48 82
paul.baumgartner@zugerheimatschutz.ch

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Medienmitteilung vom 5.12.2025

Information

Rote Liste des Schweizer Heimatschutzes

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Die schönsten Bauten 1975-2000.

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Referendumskomitee IG-Metalli.ch

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Referendumsbogen IG-Metalli.ch 

Ablauf der Eingabefrist: Freitag, 19. Dezember 2025

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Stellungnahme Bauforum Zug